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Ein kleines Weilchen

Auf Max‘ Frage "Kommst du mal?" antwortet Jutta mit "Kannst du noch eine kleine Weile warten?" Aber wie lange dauert "eine kleine Weile"? Zeiträume sind für Kinder nicht einfach zu erfassen und dennoch ist ein Verständnis von Zeit eine Grundlage für das Zusammenleben, und nicht zuletzt dafür, sich über Vergangenheit und Zukunft Gedanken zu machen und sich später für zukünftige Generationen zu engagieren.

Im Vordergrund stehen fünf Sanduhren, vier davon laufen gerade durch. Ein Mädchen beobachtet die Sanduhren.
© Thomas Ernst/Stiftung Haus der kleinen Forscher
Wie lange dauert es wohl noch?

Alltagsbezug

Erfahrungen mit Zeit macht jedes Kind in vielen Situationen ("Ich bin vier Jahre alt." oder "jeden Tag im Morgenkreis"). Der ganze (All-)Tag und auch das (Schul-) Jahr sind zeitlich getaktet. Zeit ist mit Mobilität verknüpft ("Ich brauche lange zur Kita.") und dabei sind die "kleinen Weilchen" besonders spannend! Auch wie sich etwas entwickelt, zeigt oft erst die Zeit ("Was passiert, wenn ich die Blume gieße oder es nicht tue?"). Ob uns ein Moment kurz (klein) oder lang (groß) vorkommt, ist oft davon abhängig, was wir gerade tun oder ob wir z.B. auf etwas warten müssen, was wir uns sehr wünschen.

Der Versuch beginnt

© Christoph Wehrer / Stiftung Haus der kleinen Forscher
Auch eine Sanduhr will gestellt sein.

Beginnen Sie damit, gemeinsam ein Empfinden für kleine, also kurze Zeitspannen zu entwickeln. Eine Sekunde auf der Uhr kann ich mit Augen verfolgen. Welches Wort kann ich in einer Sekunde aussprechen? Wie lang wird mein Strich, wenn ich ihn eine Sekunde lang zeichne oder wie viele Bausteine kann ich in dieser Zeit stapeln? Kann ich mehr als einmal in die Hände klatschen? Wie lange dauern fünf oder zehn Sekunden?

Etwas erfahrenere Kinder können versuchen, Zeiträume selbst abzuschätzen. Die Mädchen und Jungen bilden „Zeittandems“. Eines der Kinder hat die Zeit im Blick, nutzt einen Wecker oder Timer mit Sekundenanzeige. Das zweite Kind versucht sich im Schätzen. Beide sitzen. Es gibt ein Startsignal. Das schätzende Kind versucht nach genau 20 Sekunden aufzustehen, das zweite steht auf, wenn laut Uhr 20 Sekunden vergangen sind. Stehen beide gleichzeitig auf? Nun darf natürlich gewechselt werden. Bei jüngeren Kindern kann die pädagogische Fachkraft als Zeitwächterin einspringen.

Die Zeittandems können sich in weiteren Schätzungen ausprobieren. Wie lange dauert es, sich die Schuhe anzuziehen? Wie lange dauert es, drei Schlucke Wasser zu trinken? Etc. Dann überprüfen sie ihre Annahme: eines der Kinder handelt, das andere misst die Zeit.

Schätz- und Messergebnisse können Sie mit Hilfe des Diagrammgenerators veranschaulichen.

So geht es weiter

© Carsten Costard/ Stiftung Haus der kleinen Forscher
Wie weit schaffen wir es in einem kleinen Weilchen?

"Nur ein Minütchen!" Die kleine Weile wird länger und länger!
Versuchen Sie gemeinsam auch Folgendes: Lesen Sie zwei Minuten lang aus einer Geschichte vor oder toben Sie zwei Minuten lang gemeinsam im Turnraum. Im Vergleich dazu sollen die Kinder zwei Minuten mucksmäuschenstill sitzen. Ein Wecker oder Timer signalisiert, wann die Zeit vorbei ist. Fragen Sie anschließend, welche zwei Minuten den Kindern kürzer vorkamen.

Sammeln Sie gemeinsam Zeitmesser, wie z. B. Wecker, Eier- oder Sanduhren, Kalender... Welche fallen den Mädchen und Jungen ein? Vergleichen Sie zusammen die Zeitdauer, die damit gemessen werden kann. Welche messen "ein kleines Weilchen" und zu welchem Zweck passen andere?

Wie wurde die Zeit früher gemessen? Welche Zeit kommt eigentlich immer wieder (z.B. 13 Uhr oder dienstags) und welche ist einmalig (z.B. Dein 5. Geburtstag)?

Bauen Sie gemeinsam mit den Mädchen und Jungen aus Flaschen, Sand, starkem Klebeband oder Flaschentornados Sanduhren. Verkleinern Sie bei einigen mit Klebeband die Flaschenöffnung. Wie unterschiedlich lange laufen die Uhren? Können die Kinder eine"„ein-kleines-Weilchen-Sanduhr" von 20 Sekunden bauen? Überlegen Sie miteinander, was alles etwa so lange dauert, wie der Sand durch eine der Uhren rieselt. Wie weit kommen die Kinder beim Sackhüpfen? Sind die Zähne nach dieser Zeit sauber geputzt? Ist der Joghurt aufgegessen? Wie ist das mit den anderen Sanduhren, was dauert so lange, wie sie laufen?

Hintergrund

Mein heutiges Handeln hat auch in der Zukunft Auswirkungen auf Natur und Menschen. Um das zu begreifen, brauchen die Mädchen und Jungen ein Verständnis von zeitlichen Abläufen, dem Ineinandergreifen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Kinder leben aber zuerst einmal ganz in der Gegenwart, ohne sich für das Gestern oder Morgen zu interessieren. Sie orientieren sich in dieser Phase an wiederkehrenden Ereignissen und Strukturen. Erst mit dem Schulalter beginnt das Zeitwissen um Minuten, Wochentage, Jahreszeiten, Schuljahre. Um mit den Mädchen und Jungen Zukunftsfragen zu besprechen, benötigen sie Zeitkonzepte, die ihnen helfen, Vorstellungen von Abläufen, Reihen und Folgen, von Vergangenheit und Zukunft zu entwickeln. Dabei geht es darum, an für die Kinder bedeutsame Zeitverläufe anzuknüpfen.

Ideen zur Fortsetzung

Und noch viel mehr zum Thema Zeit finden Sie im Kartenset "Macht mit! Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Praxis. Fit für die Zukunft!" und in den Praxisanregungen.

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