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Platz für mich, Platz für dich

Jeder von uns braucht ein Plätzchen für sich. Wie viel Platz sollte das aber sein? Brauchen wir nur einen kleinen Raum oder eine große Wohnung? Fühlen wir uns in einer von Menschen wimmelnden Einkaufsstraße wohl oder sind wir lieber allein im Wald? Ist unser Raumempfinden abhängig von unserer Stimmung? Und wie gerecht ist die Raumverteilung?

Ein Junge schaut unter einem Stuhl hervor
© Christoph Wehrer / Stiftung Haus der kleinen Forscher
Manchmal kann es eng werden!

Alltagsbezug

Jeder Mensch, ob groß oder klein, alt oder jung hat ein Bedürfnis nach Nähe und gleichzeitig eines nach Distanz und Freiheit. Wie stark die jeweiligen Bedürfnisse ausgeprägt sind, ist individuell und nach Situation verschieden und auch davon abhängig, wie die Beziehungen untereinander sind oder wie ich es gewohnt bin. Nicht immer wird darauf Rücksicht genommen, bzw. nicht immer sind die äußeren Gegebenheiten so, dass sich alle richtig wohl fühlen können. Diese Erfahrung macht jedes Kind und jeder Erwachsene. Und nicht immer ist den Mädchen und Jungen klar, woran es liegt, dass sie sich in einer Situation wohl oder unwohl fühlen. Dabei ist der erste Schritt, seine Bedürfnisse kennen zu lernen.

Der Versuch beginnt

Kinder stecken ein Dreieck auf dem Boden ab.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Wieviele Kinder passen in einen abgesteckten Raum?

Schaffen Sie einen begrenzten Raum, indem Sie die Fläche aufmalen oder eine Matte hinlegen. Es gilt ungefähr ein bis zwei Quadratmeter pro zehn Kinder. Wie viele Kinder können sich darauf stellen, wie viele hocken? Passen mehr zusammen darauf, wenn sie sich gut aneinander festhalten oder sich huckepack nehmen? Wie lange halten sie die enge Situation aus? Wenn Sie viele Kinder in der Gruppe haben, können Sie die Situation auch für ein Team-Spiel nutzen: Welches Team schafft es, für 10 Sekunden die meisten Kinder zusammen in den engen Raum zu bringen? Je nachdem, wie wohl oder unwohl sich die Kinder fühlen, können Sie den Zeitrahmen erhöhen: Wie geht es den Mädchen und Jungen nach 20 Sekunden oder einer halben Minute?

Reflektieren Sie gemeinsam hinterher: Wie fühlt es sich für jedes einzelne Kind an, nahe beieinander zu stehen? Wer fand es unangenehm, wer lustig?

So geht es weiter

Ein Junge bastelt ein Haus
© Steffen Weigelt/Stiftung Haus der kleinen Forscher
Wieviel Platz ist in sehr kleinen Häusern?

Wie viel Platz brauchen wir eigentlich in unserem Alltag? Überlegen Sie zusammen mit den Kindern, für wie ausreichend sie den Gruppen- oder Klassenraum finden. Wie wäre es, wenn der Raum nur halb so groß wäre? Vielleicht haben Sie Lust, das einmal auszuprobieren und den Raum halb zu "sperren". Fühlen sich die Mädchen und Jungen auf dem verbliebenen Stückchen wohl? Wie können sie sich dort arrangieren, dass es für alle ein "Wohlfühlort" ist oder geht das gar nicht? Vielleicht können Sie auch mal einen ganzen Tag in einer Turnhalle verbringen. Wird den Kindern der Raum zu groß?

Überlegen Sie, wie unterschiedlich Kinder auf der ganzen Welt wohnen. Wie ist es für eine kleine Prinzessin in einem großen Schloss oder für Kinder, die mit ihrer ganzen Familie in einem Zimmer wohnen. Gibt es auch ein zu groß und zu viel Platz zum Wohlfühlen? Gibt es ein zu viel oder zu wenig Gemeinschaft und Familie? Schauen Sie sich gemeinsam mit den Kindern Bilder aus Schulen in anderen Ländern an. Ist die Verteilung von Raum gerecht oder ungerecht und welche Gründe finden die Kinder dafür? Vielleicht möchten sie auch von sich zu Hause erzählen. Wie wohnen die Kinder? Teilt sich jemand das Zimmer mit seinen Geschwistern oder Eltern? Mag jemand lieber nicht alleine in einem Zimmer schlafen? Wie viele Räume hat die Familie und aus wie vielen Personen besteht sie? Muss man eine kleine Wohnung nicht viel weniger aufräumen? Was sagen die Kinder, wie viel Platz sie für sich brauchen?

Hintergrund

Das Grundbedürfnis nach Raum steht in vielen Zusammenhängen. Zum einen lernen wir, dass es sehr unterschiedlich ist und wir nicht automatisch von uns auf andere schließen können. Dabei lernen wir die Bedürfnisse anderer als berechtigt kennen, was für interkulturelle Kompetenzen bedeutsam ist, denn Kulturen wird es immer geben und sie sind nicht an die geografische Herkunft gebunden. Zum anderen wird deutlich, dass nicht alle Menschen überall ihre Bedürfnisse ausleben können und dass Ressourcen zum einen nicht gleichmäßig und zum anderen auch nicht nach Bedürfnissen gerecht verteilt sind.

In einer Bildung für nachhaltige Entwicklung geht es unter anderem darum, zu begreifen, dass unser Handeln auch Auswirkungen auf Menschen und ihre Umwelt hat, die weit von uns entfernt leben.

Ideen zur Fortsetzung

Spielen Sie mit den Kindern Zeitungstanz. Dabei stehen die Mädchen und Jungen Paarweise auf einem Zeitungsblatt. Es wird Musik gespielt und sie tanzen gemeinsam. Die Paare, die ihr Zeitungsblatt verlassen, scheiden aus. Nach jedem Lied wird die Zeitung um die Hälfte zusammen gefaltet. Welches Paar schafft es, am längsten zu tanzen?


Mehr zum Thema Raum finden Sie in der Broschüre "Wie wollen wir leben?".
Mehr dazu, sich selbst kennen zu lernen und in sich zu fühlen, finden Sie in den Praxisanregungen zu den Themen "Forschen rund um den Körper" und "Gesundheit".   

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